In China ist das heftigste Erdbeben seit Jahrzehnten - und ich verpasse es. Aber keine Sorge, mir geht es gut.
Der Augenblick wird mir wohl noch lange in Erinnerung bleiben: Ich war gerade daran, einen etwas langweiligen Text zur Inflation in China zu redigieren. Vor mir flimmert mein etwas alter Röhrenbildschirm. Plötzlich wird es in meinem Büro laut. So was nervt mich immer. Wenn ich zum zehnten Mal einen Text zum gleichen Thema lese, finde ich das schon schwer genug, mich darauf zu konzentrieren. Besonders dann, wenn ich an einem Tag sowieso recht wenig zu tun habe.
Ich schaue also auf, und einer meiner chinesischen Arbeitskollegen meint: "Hast du das Beben gespürt?" Ich muss verneinen. Ich habe nicht einmal das leiseste Zittern wahrgenommen. Zwar haben Seismologen von einem zweiten Beben in Peking gesprochen, das sieben Minuten nach dem grossen Wackeln im Südwesten auch die Hauptstadt mit der Stärke 3,8 erschüttert hat. Aber für mich bleibt doch unerklärlich wie ich nichts spüren kann, während andere Bürogebäude in der Stadt sogar evakuiert wurden. Übertreiben die? Oder bin ich einfach so unsensibel? Oder doch ein hervorragender Mitarbeiter, der so sehr konzentriert an seinen Übersetzungen werkelt?
Die ersten Reaktionen waren seltsam. Schon rund zwanzig Minuten später brachte Spiegel Online die ersten Nachricht. Etwas später folgte eine Nachricht in der Welt, mit dem etwas befremdenden Gastkommentar: "Das war die gerechte Strafe für eure Verbrechen in Tibet. Wenn ihr den Dalai Lama noch länger ärgert, schickt er euch noch ein Beben!" Auch nun, rund 24 Stunden nach dem Beben, sind übrigens aus Tibet keine Nachrichten an die Öffentlchkeit gelangt. Es ist anzunehmen, dass es auch dort viele Opfer gibt.
Über MSN kamen nun Warnungen meiner chinesischen Freunde. Offenbar hatte ein chinesischer Wahrsager behauptet, dass es am Abend zwischen "sieben und elf Uhr ein Nachbeben gibt, das noch verherrender ist, als das von heute Mittag." Das Problem ist, dass das viele glauben. Dies mag auch, neben der berechtigten Furcht vor Nachbeben, einer der Gründe dafür gewesen sein, dass so viele Leute im Freien übernachteten. Auch in Peking haben verschiedene Firmen ihrer Belegschaft frei gegeben. So kam es, dass ich seit Monaten das erste Mal später zu Hause war als meine chinesische Freundin.
Diskussionen rund ums Beben:
Hier
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Wer in China eine Stelle sucht und nicht zufällig Englisch als Muttersprache hat, dürfte die Suche als schwer empfinden. Unmöglich ist sie jedoch nicht.
Auch im modernen China müssen die Peking vormittags heiraten, um den Kaiser zu ehren. Angeblich können sich immer weniger eine Hochzeit leisten - dabei wäre sie eine Goldgrube!