Mittlerweile habe ich die Grenze nach Queensland überschritten
und kann auf den Teil meiner Australienreise durch das nördliche Territorium
zurückblicken. Dazu muss ich erwähnen, dass mir dieser zweite Teil meiner Reise
bedeutend besser gefiel. Zum einen sicherlich deswegen, weil die Nationalpärke
im Norden einfach schöner sind. So gefiel es mir besonders gut, in den Pools
unter Wasserfällen zu baden, wie ich das bei den Jim Jim Falls tat, in den
wundervollen Felslöchers des Surprise Creeks im Litchfield Nationalpark (meinem
Lieblingspark bis anhin) oder in den beiden Thermalquellen von Materanka. Zum
anderen beginne ich mich aber auch einfach damit abzufinden, dass Australien
landschaftlich eher wenig zu bieten und ich meine Reise halt einfach als
Badeferien betrachten muss. Eigentlich sollte ich ja den Weg als Ziel
anschauen. Nur fällt es mir nicht leicht, 600 Kilometer am Tag auf
Schotterstrassen als Genuss zu betrachten. Eine Weile macht das Spass, nach
bald 5000 Kilometer nicht mehr so. Die Faszination der langen Strecken erfasst
allerdings auch Australier und nicht nur Schweizer Pensionierte, wie ich in
meinem letzten Mail geschrieben habe. So traf ich in Daly Water einen
interessanten Logistiker aus Melburne. Er hat mit seinem Freund, einem
Lastwagenfahrer, die ganze Strecke von seiner Heimat bis in den Norden
freiwillig unter die Räder genommen. „Diese Ecke der Welt ist etwas ganz
besonderes. Die Freiheit auf dem Strassen ein einzigartiges Gefühl".
Daly Water ist übrigens ein durchaus sehenswerter Ort. Einst war das Dorf ein wichtiger international Hub, als die Flugzeuge von Sydney nach Singapur noch Zwischenlanden mussten, um ihre Tanks zu füllen. Das war in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bis gegen Ende des zweiten Weltkriegs der Fall. So sahen damals praktisch alle Flugreisende aus Europa den kleinen Outbackort, mit dem Eisenbahnanschluss (wohl ein wichtiger Punkt für die Wahl des Hubs, denn so konnte die Post praktisch auf die Schiene gebracht werden) und dem historischen Pub, den es heute noch gibt. Die Passagiere konnten aber auch umsteigen und bis nach Perth weiter fliegen und zwar in einer Art Bummelflugzeug, das für die Strecke ganze drei Tage brauchte und unterwegs mehrere andere Orte anflog. Im alten verlassenen Hangar ist noch immer ein Flugplan ausgestellt, der dies belegt. Für Aviatikinteressierte ist dieser Flughafen definitiv eine der interessanteren Sehenswürdigkeiten von Australien.
Doch eigentlich wollte ich ja schreiben, wieso mir
Australien inzwischen besser gefällt. Ein weiterer Grund ist, dass ich inzwischen
mehr Kontakt zu den Einheimischen haben. Nicht unbedingt zu den Aboriginels.
Die sind zwar immer sehr freundlich aber leben in einer ziemlich anderen Welt
als ich. Vor allem aber sehe ich besser, wie das Zusammenleben der beiden
Ethnien funktioniert, oder eben nicht funktioniert. Bis heute habe ich noch
keine gemischten Pärchen gesehen, bis heute habe ich noch keine Freundschaften
gesehen zwischen den beiden Völkern. Wenn ich mal einen Weissen mit einem
Aboriginels sprechen sah, dann stellte sich immer nach wenigen Sekunden heraus,
dass er bloss nach dem Weg gefragt hat.
Wieso das so ist, weiss ich nicht. Vor ein paar Tagen habe ich an einer Tankstelle eine ältere Frau getroffen, die seit vielen Jahren mit ihrem Mann in einem 500 Seelendorf im Outback lebt und immer wieder mit den Aboriginels zu tun hat. „Denkt ja nicht, dass wir es sind, die diese Leute in ihrem Drittweltzustand belassen wollen", rief sie aus. Der Grund dafür sei vielmehr, dass die Eingeborenen dies so wollen - etwas was selbst viele Australier aus dem Süden nicht so richtig begreifen wollen. Sie führt aus: „Die Regierung gibt ihnen Häuser und Autos. Aber wenn ein Auto nach 12 Monaten noch fährt, dann ist das eher Glück. Die Häuser halten auch nicht viel länger. Sie schlagen die Scheiben ein und lassen alles verlottern". Doch damit hatte die rund 60-Jährige noch nicht alles gesagt. Auch gingen sie nicht zu Schule, erklärt sie, stattdessen lungern sie zusammen unter den Bäumen und besaufen sich oder rauchen Gras. Nein, auf dieses Niveau wolle sich nicht herablassen. Und bringt das ganze Problem mit den Natives auf den Punkt: „Ausserdem stinken sie". Ihr Mann schüttelt den rundlichen Bauch bei seinem Lachen und fügt dann hinzu: „Darling, das sagen die aber auch von uns".
Als ich das Diesel zahlen wollte, traf ich im innern der Tankstelle eine Deutsche, die seit zwei Wochen dort mit einem Working Holiday Visa arbeitete. Ich kam mit ihr ins Gespräch, weil mich interessierte, wieso man zuerst sich anmelden muss, bevor man Benzin beziehen kann. Der Grund: Leute würden tanken und ohne zahlen abfahren. Notabene Aboriginels.
Gestern schliesslich erreichte ich kurz nach der Grenze ein Aboriginelsdorf. Weil der Tank mal wieder leer ist (bei den langen Distanzen hier in Australien hat man das Gefühl, als würde man bloss von einer Tanke zur nächsten rattern) entschloss ich mich in das Dorf hineinzufahren, denn es hiess, dass es im Dorf Benzin gebe. Nach einigem Suchen fand ich die Tankstelle. Bei einer der drei Zapfsäulen war das Glas eingeschlagen. Die anderen beiden funktionierten vielleicht, aber der Laden war zu (obwohl die angegebenen Öffnungszeiten etwas anderes versicherten). Die Rollläden fest verschlossen und vergammelt, wie das ganze Dorf. Die Häuser hatten zum Teil eingeschlagene Scheiben, bemerkenswerter waren allerdings die vielen verrosteten Autos, die in den Vorgärten standen. Teilweise zwei oder drei Wagen. Die Räder abmontiert. Keine Ahnung, wieso sie das so machen. Nur erinnerte mich die ganze Szene wieder an das, was die weisse Frau ein Tag zuvor erzählt hatte.![]() |
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