Vom Lake Agyl und weiteren kleinen Gewässern

Blau so weit das Auge reicht: Lake ArgylVor ein paar Tagen fuhr ich zum Argylsee, dem grössten Trinkwassersee Australiens. Das bemerkenswerteste am See ist das, was man nicht mehr sieht: nämlich wie er gebaut wurde. Dies geschah mittels einer grossen Sprengung. Ein Gedanke, der zu dieser Zeit durchaus beliebt war. So wollte Stalin zum Beispiel den Aralsee mit dem Wasser der Lena füllen. Den rund 2000 Kilometer langen Damm hätte er mit einer Reihe von Atombomben ausgehoben. So weit kam bei den Sowjets zum Glück nicht und die Australien haben ja bekanntlich noch keine Kernwaffen. Wie auch immer. Der See wäre schön. Er erinnerte mich ein bisschen an den Vansee in der Osttürkei. Der Zugang zum Agylesee ist allerdings eine Katastrophe. Baden kann man nicht, weil es keine geeignete Einstiegsstelle gibt und Bootsfahrten sind praktisch unerschwinglich, wie ohnehin alle touristischen Aktivitäten mehr als ihren Preis haben. Das einzige was mir also übrig bleibt, ist jeden Tag einen anderen Nationalpark mit Schlucht anzuschauen. Diese sind zwar durchaus schön. Aber nach einer Woche mit jeweils zwei Schluchten pro Tag lässt auch hier die Begeisterung ein bisschen nach. Ein Blick auf die Route von Darwin weiter Richtung Cairns zeigt übrigens, dass es keine Schluchten mehr zu besuchen gibt.

Auf der Route befinden sich praktisch ausschliesslich Deutsche und Schweizer. Daneben trifft man von Zeit zu Zeit noch vereinzelt Australier. Sie alle reisen mehr oder weniger die gleiche Route. Das heisst man trifft immer wieder die gleichen Leute an den einzelnen Destinationen. Das macht Spass. Alleine zu reisen, wie das mehrere Fahrradfahrer auf der Gibb River Road gemacht haben, ist zwar möglich, würde ich aber nicht empfehlen. Dazu ist die Gegend zu einsam und falls etwas passiert, ist der Verkehr zu wenig dicht. Man muss schnell mal ein paar Stunden warten, bis Hilfe kommt. Bei den Temperaturen hier um die 40 Grad ist das nicht gerade meine Traumvorstellung. Und wer zu lange ohne Wasser in der trockenen Hitze bleibt, wird bald total ausgetrocknet. Autostöppler gibt es gar keine. Ich hatte ursprünglich gedacht, dass ich solche mitnehmen könnte, um die Benzinkosten, die Tourismus Australien anfangs nicht übernehmen wollte, ein bisschen zu minimieren und auch, um neue Gesichter kennenzulernen.

Mein VierradantriebMit Einheimischen hatte ich bisher eher wenig zu tun. Dies hat den praktischen Grund, dass die Gegend praktisch kaum bewohnt wird. Alle paar hundert Kilometer gibt es kleinere Ortschaften mit gerade einmal 300 Einwohnern. Gegen die Strasse hin sehen die oft nur aus wie eine grosse Tankstelle, der Rest des Dorfes gehört dann zu einer Aboriginals-Community und ist verschlossen. Das ist schade und gehört für mich eigentlich zu einem der enttäuschendsten Teile des Trips. Nur in den Städten kam ich bisher in Kontakt mit Leuten und die sind teilweise ein bisschen seltsam. Da war zum Beispiel diese Aboriginalsfrau, die offenbar nicht zählen konnte vor mir im Supermarkt. Sie hat ihren Geldbeutel einfach der Kassiererin gegeben und die hat genommen was sie brauchte.  Als sie bei mir Gurken und Zucchini verwechselte und schliesslich sich beim Wechselgeld verrechnete, begann ich daran zu zweifeln, dass dies wirklich eine gute Alternative ist.
 
Australische Supermärkte sind bemerkenswert. So sind die etwas grösseren Ortschaften (also solche mit rund Tausend Einwohnern) oft mit sehr grossen Einkaufsgelegenheiten bestückt. Das erfreute zwar immer wieder mein Herz, nur fragte ich mich immer wieder: Woher kommen all die Kunden? Leer sind die Läden nämlich nie. Bemerkenswert ist übrigens auch die Diebstahlsicherung. So heisst es am Eingang, dass Taschen und Rucksäcke kontrolliert werden können. Einmal habe ich eine Japanerin beobachtet, die gebeten wurde, ihre Tasche zu öffnen. Sie verstand das nicht und ich meinte zu ihr, dass sie der Mann des Diebstahl verdächtige und sie deswegen ihre Tasche zeigen müsse. Dies geriet ihr offenbar in den falschen Hals. Sie ging auf den Mann los und fuhr ihn wütend an: „Ist das etwa Rassismus? Fragen Sie immer nur Leute, die keine Weissen sind? Der Mann vor mir (das war ich) hat auch einen Rucksack und er musste nichts zeigen." Der junge Kassierer meinte darauf etwas kleinlaut, dass es schon in Ordnung sei. Daraufhin liess sie den Filialleiter rufen und beschwerte sich bei ihm. Der versuchte zu beschwichtigen: Nein, wir kontrollieren alle Säcke und es tut uns sehr Leid, wenn wir damit ihre Gefühle verletzt haben. Und dann kam der Clou: „Aber wenn Sie sich unwohl bei einer Kontrolle fühlen, dann können Sie diese natürlich auch verweigern. Das ist auch in Ordnung". Nun gut, wenn ich mal hungrig und ohne Geld in Australien hängen bleibe, weiss ich nun auf jeden Fall, wie ich mich neues Essen beschaffen kann...

Wie auch immer: Nun bin ich in der Nationalparkgegend der Northern Territories angekommen. Hier soll es viel zu sehen geben. Hoffen wir, dass mich dieser Teil Australiens doch noch mehr packen kann, als das, was ich bisher gesehen habe.



 
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